Lebendnierenspende

In der Schweiz warten immer mehr Menschen auf eine Nierentransplantation. Wegen der im europäischen Vergleich relativ niedrigen Organspenderate gibt es nicht genügend Organe zur Transplantation. Dies führt zu einer Wartezeit von mehreren Jahren, die mit Blutwäsche (Dialysebehandlung) überbrückt werden muss.

Die meisten transplantierten Nieren stammen von verstorbenen Spendern. Es gibt bei der Niere allerdings auch die Möglichkeit der Lebendspende. Seit Anfang der neunziger Jahre steigt die Zahl von Lebendnierenspenden stetig an. Inzwischen stammen rund 25% der jährlich transplantierten Nieren von Lebendspendern.


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Patienten auf der Schweizer Warteliste und schweizweit durchgeführte Nierentransplantationen  im Jahr 2015
Quelle: Jahresbericht Swisstransplant 2015

Die Lebendspende eröffnet die Möglichkeit, ohne Wartezeit eine Transplantation mit einem gesunden Organ durchzuführen. Daher beschäftigen sich immer mehr Angehörige und Freunde von nierenkranken Menschen mit dieser Möglichkeit. Eine Niere von einem Lebendspender funktioniert im Vergleich zu Organen von verstorbenen Spendern zudem besser.
Spenderbroschüre Nieren (PDF)
Swiss living donors' information brochure (PDF)
Brochure suisse pour les donneurs vivants (PDF)
Opuscolo informativo sulla donazione da vivente in Svizzera (PDF)
SOLV-LN, der Schweizerische Organ Lebendspender Verein

Was sind die Voraussetzungen?

Grundsätzlich kann in der Schweiz jeder gesunde Erwachsene unentgeltlich eine Niere spenden. Eine Altersgrenze besteht nicht, sondern orientiert sich am Gesundheitszustand des Spenders. Absolute Voraussetzung ist die Freiwilligkeit der Spende. In der Regel besteht zwischen Spender und Empfänger eine enge tragfähige Beziehung (Ehepartner, Familienmitglieder, Freunde). Eine Blutsverwandtschaft ist nicht erforderlich. Die Blutgruppen sollten kompatibel, müssen aber nicht identisch sein. Bei Inkompatibilität müssen weitere Abklärungen erfolgen, ob allenfalls trotzdem eine Transplantation möglich ist. Der Rhesusfaktor spielt für die Nierentransplantation keine Rolle.

Die Lebendnierentransplantation hat mehrere Vorteile: Es werden nur Organe von sehr genau abgeklärten und gesunden Spendern entnommen, so dass die Niere eine sehr gute Qualität aufweist. Weiterhin finden Nierenentnahme und Transplantation direkt nacheinander statt, so dass die Konservierungszeit sehr kurz ist. Der Eingriff ist planbar und findet unter optimalen Bedingungen statt. Es ist keine Wartezeit auf die Transplantation erforderlich, und bei früher Transplantation kann sogar die Dialyse ganz vermieden werden. Alle diese Faktoren führen im Vergleich mit der Transplantation von Leichennieren zu einem deutlich besseren langfristigen Überleben der Niere.

Welche Risiken bestehen?

Die Lebendnierenspende ist eine Operation bei einem gesunden Menschen.
Es gibt wie bei jedem Eingriff das Risiko von Komplikationen. Diese sind selten und meistens leichtgradig. Weiterhin treten wie nach jeder Operation Schmerzen auf, die durch Medikamente gut beherrschbar sind. Todesfälle sind weltweit ausserordentlich selten. Durch die neue Entnahmetechnik (laparoskopisch) sind die Narben kaum mehr sichtbar und kosmetische Probleme treten in den Hintergrund.

Die verbleibende Niere übernimmt die Funktion für beide Nieren, so dass ein Lebendspender nach der Operation ein ganz normales Leben führen kann. Die Lebenserwartung verringert sich durch die Entnahme einer Niere nicht. Auch die Wahrscheinlichkeit, selbst nierenkrank zu werden, ist mit einer einzigen Niere nicht erhöht. Das Risiko, an Bluthochdruck zu erkranken, ist im Langzeitverlauf, wenn überhaupt, nur minimal erhöht.

Warum die Freiwilligkeit so wichtig ist

Eine Lebendorganspende ist wohl eines der bedeutsamsten Geschenke, das ein Mensch einem anderen machen kann. Da viel zu wenige Organe von Verstorbenen zur Verfügung stehen, kann die Lebendnierenspende vielen Nierenkranken helfen, schneller ein Organ zu erhalten.

Die Nierenspende muss aus juristischen Gründen auf einer freiwilligen Basis und ohne finanzielle Abgeltung beruhen. Die Kosten für die ausgiebigen Vorabklärungen und den Eingriff sowie die Nachsorge gehen vollständig zu Lasten der Versicherung des Nierenempfängers.

Die durch Abklärung, Operation und Nachsorge des Spenders anfallenden medizinischen Kosten werden durch die Versicherung des Empfängers übernommen. Verdienstausfälle werden ebenfalls kompensiert, nicht jedoch Reisekosten, Prämien von Risikoversicherungen oder Haushaltshilfen.

Seit 2005 besteht in der Schweiz auch die Möglichkeit einer anonymen Spende.

Welche Abklärungen sind nötig?

An die Möglichkeit einer Lebendnierenspende sollte möglichst frühzeitig, d.h. vor der Dialysebedürftigkeit des Empfängers, gedacht werden. Aber auch Patienten, die bereits auf der Warteliste für eine Nierentransplantation sind, kommen für die Lebendnierentransplantation in Frage.

Der betreuende Nephrologe bespricht die Therapiemöglichkeiten in der Regel mit dem nierenkranken Patienten und spricht auch die Möglichkeit einer Lebendnierenspende an. Er hilft bereits mit ersten Informationen weiter und führt erste Voruntersuchungen wie Blutgruppe oder Nierenwerte, durch.

In unserem Zentrum werden in einem gemeinsamen Gespräch mit Spender und Empfänger in der Sprechstunde zusätzliche Fragen geklärt und das weitere Vorgehen geplant. Es folgen ambulante Untersuchungen zur Abklärung des potentiellen Spenders am UniversitätsSpital Zürich. Nach Auswertung der Ergebnisse kann ein Transplantationstermin vereinbart werden.

Die Sicherheit des Spenders hat bei einer Lebendspende absoluten Vorrang, dies ist auch zentraler Aspekt der Abklärungsuntersuchungen. Diese betreffen neben den Nieren auch andere Organe wie Herz, Lunge, Leber und verschiedene Bestimmungen von Blutwerten.

Was passiert bei der Operation?

Die Nierenentnahme erfolgt minimal invasiv, d.h. laparoskopisch. Die Vorteile dieser Technik sind im Vergleich zur klassischen Methode des "offenen Flankenschnitts" geringere postoperative Schmerzen und ein kürzerer Spitalaufenthalt. Die kleinere Narbe führt zu einem rascheren Genesungsprozess und zur schnelleren Rückkehr ins normalen Leben. Der weniger belastende Eingriff hat durch die Verwendung der laparoskopischen Entnahmetechnik sogar zu einer Zunahme der Spendebereitschaft geführt.

Die Entscheidung, ob die linke oder rechte Niere entnommen wird, trifft der Chirurg anhand der vorgenommen Voruntersuchungen. Es erfolgen drei kleine Hautschnitte, über die eine Kamera und Instrumente in den Bauch eingebracht werden. Die Niere wird dann komplett von den umliegenden Gewebsschichten befreit, so dass die Gefässe mit Clips unterbunden und durchtrennt werden können. Zur Entfernung der Niere muss unterhalb des Nabels zusätzlich ein 7-8 cm langer Schnitt erfolgen (längs oder auch quer unterhalb der Schamhaargrenze). Sobald die Niere ausserhalb des Körpers ist wird sie mit einer kalten Konservierungsflüssigkeit durchgespült und gekühlt.

Nach der Operation kommt der Spender auf die Aufwachstation und nach wenigen Stunden zurück auf die Abteilung. In der Regel fühlt sich der Spender nach 7 – 10 Tagen genügend erholt, um das Spital zu verlassen.

Wie werden Lebendspender nachher betreut?

Nach 2 bis 3 Wochen sind in der Regel wieder leichte körperliche Arbeiten möglich. Bei beruflich schwerer körperlicher Arbeit ist oft eine etwas längere Schonfrist erforderlich. Unsere Erfahrungen zeigen, dass nach 1 bis 2 Monaten fast alle Nierenspender wieder arbeitsfähig waren.

Nach der Spitalentlassung findet eine Nachkontrolle in der Sprechstunde statt. Bei problemlosem Verlauf sind keine weiteren Kontrollen am UniversitätsSpital geplant. Es ist uns allerdings ein grosses Anliegen, dass wir für den Spender bei gesundheitlichen oder psychosozialen Problemen jederzeit zur Verfügung stehen. Solche Probleme sind selten und lassen sich mit frühzeitiger Hilfe meist beheben.

Obwohl der gesunde Spender infolge der Nierenentnahme keine weitere ärztliche Behandlung benötigt, wird zusätzlich jede Lebendnierenspende dem Schweizerischen Lebendspenderegister gemeldet. Dieses überwacht die regelmässigen, jährlichen Vorsorgeuntersuchungen beim Hausarzt (Blutdruck, Nierenfunktion). Die Kosten dieser Untersuchungen werden ebenfalls von der Krankenkasse des Empfängers getragen.

Wie sind die Resultate?

Die Lebendnierentransplantation hat viele Vorteile:

  • Nur gesunde Menschen werden zur Lebendnierenspende zugelassen, was mittels diverser Untersuchungen sehr genau abgeklärt wird. Dadurch sind deren Nieren ebenfalls gesund und versprechen eine gute Funktion nach der Transplantation.
  • Die Nierenentnahme und Transplantation finden zeitlich direkt nacheinander statt, so dass das Organ nur sehr kurze Zeit ausserhalb des Körpers ist.
  • Der Eingriff ist planbar und findet unter optimalen Bedingungen statt.
  • Die Wartezeit für die Transplantation wird merklich verkürzt und oft kann die Dialyse sogar ganz vermieden werden.
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    Diese Faktoren führen im Vergleich mit der Transplantation von Organen von Verstorbenen zu einem deutlich besseren langfristigen Funktionieren der transplantierten Niere.

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